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D ER SPIEGEL 22 / 2014

Julia Amalia Heyer

FOTO: AMIT SHABI / LAIF / DER SPIEGEL

Commiphora gileadensis: mandelförmige Blättchen an knorrigen Zweigen, ab und zu ein paar violette Früch- te. Für sie würde er alles tun, sagt Guy Ehrlich, 43 Jahre alt, Vater zweier Söhne und einer Tochter, verheiratet mit der Kindergärtnerin Efrat. Er denkt einen Augenblick nach, denkt an seine Frau, an seine Kinder.  Fast alles, sagt er dann. Mit dem Finger pult Ehrlich an der hellen Rinde und riecht daran. Eukalyptusnote dominant, seufzt er, minzig im Nach- gang. Er zwickt eine Frucht ab, zerquetscht sie in seiner Hand- fläche, schnuppert: „Zitrone, eindeutig.“ Guy Ehrlich ist Gärtner, aber passender wäre eigentlich: Groupie. Bedingungsloser Liebhaber einer Pflanze, die besser bekannt ist als Balsam. Dafür zog Ehrlich von Jerusalem in die Wüste, von Israel ins Westjordanland, in den Kibbuz Almog. Für diese Pflanze hat er seine Festanstellung bei einer Lokal- zeitung aufgegeben, und seine politischen Prinzipien dazu. Denn Ehrlich ist jetzt Siedler, er lebt nahe der palästinensischen Stadt Jericho, in Sichtweite des Toten Meeres, wo er zwei Ställe zum Gewächshaus umgebaut hat. Es gibt viele Arten von Commiphora, aber Ehrlich hat nur nach einer gesucht, der Commiphora gileadensis, die in der Thora auftaucht; und er ist überzeugt, den biblischen Balsam gefunden zu haben. Zur Sicherheit züchtet er aber zwei weitere Arten, auf die die biblische Beschreibung zutreffen könnte. Ihr Duft soll bereits den Tempel in Jerusalem ausgefüllt ha- ben, mit ihren Ölen rieben sich die judäischen Könige ein, Kleopatra liebte das aus dem Balsam hergestellte Parfum, und Herodes soll mit dem Handel der Essenz den Bau seiner Paläste finanziert haben. Zudem war der biblische Balsam offenbar ein Wundermittel: genutzt zum Desinfizieren von Wunden, zum Senken von Bluthochdruck, zum Lindern von Entzün- dungen und Kopfschmerz, zählt Ehrlich auf, als Aphrodisiakum und bei epileptischen Anfällen. Thora, Talmud, griechische und römische Schriften erwähnen den Balsam. Doch dann verschwand die Gileadensis aus dem Heiligen Land, 1500 Jahre lang. Wie eine Erleuchtung sei es gewesen, als er von der Heilkraft der Pflanze erfahren habe, sagt Ehrlich, ein massiger Mann mit Nickelbrille, er sitzt auf dem Stamm einer gefällten Dattel- palme. Dabei mag er das Wort Erleuchtung eigentlich nicht; er ist alles andere als religiös. Früher, in seinem alten Leben, hat er als Mitglied des Jerusalemer Gemeinderats dafür gekämpft, dass die Geschäfte am Sabbat geöffnet bleiben. Dann besuchte er vor sieben Jahren einen Vortrag über alte Pflanzenarten und Naturheilkunde. Es war das erste Mal, dass er vom „Export- schlager des Königreichs Juda“ hörte. Er habe sofort gewusst, sagt er, dass er dieses kostbare Gewächs dorthin zurückbringen wollte, wo es einst gewachsen war: am Ufer des Toten Meeres. Früher war Guy Ehrlich ein Mann, dessen Zimmerpflanzen vertrockneten. Jetzt hat er seinen Job gekündigt und begonnen, sich der Suche nach Setzlingen zu widmen. Er fand heraus,

dass ein deutscher Botaniker vor Jahren Samen der Gileaden - sis aus Saudi-Arabien nach London geschmuggelt hatte; dass sie auch im Jemen wächst und in Oman. Monate später war Guy Ehrlich im Besitz seines ersten Setzlings. Mittlerweile hat er 2500. Es blieb nicht beim Balsam, Ehrlich fing an, auch andere biblische Pflanzen zu sammeln. Zurzeit blüht der Weihrauch- strauch, Boswellia sacra, er trägt kleine, eierschalfarbene Blü- ten. Gut gegen Depressionen, sagt Ehrlich. Daneben wächst wilder Wein, stehen Mandel-, Oliven- und Limettenbäumchen. In seinem Garten im Kibbuz Almog hat er ein kleines Paradies geschaffen, Ehrlichs Idee ist Wirklichkeit geworden. Das Pro- blem ist nur, dass die Wirklichkeit recht kostspielig ist. Ein halber Hektar muss bewässert und gedüngt werden, da bleibt keine Zeit für einen Nebenjob. Guy Ehrlich hat bereits sein Erbe und den Erlös aus dem Verkauf des Jerusalemer Hau- ses in den Garten gesteckt. Seiner Familie versprach er damals, wenn er im Besitz des Balsams sei, dann komme schon wieder Geld rein, durch den Verkauf von Ölen und Cremes. Er träumte von Naturheilkunde und Kosmetik, die er daraus herstellen könnte, so wie vor 2000 Jahren. Er destilliert jetzt Öl aus der Gileadensis, das aussieht wie Hustensaft.

Doch für seine biblischen Pflanzen interessieren sich bisher vor allem religiöse Extremisten. Neulich hat ihn ein Rabbi besucht, der in Jerusalem an der Stelle des Felsendoms den jüdischen Tempel wiederaufbauen will. „Du wirst den Duft dafür kreieren“, sagte der Rabbi. Ehrlich lehnte ab. Der Balsam ist noch immer ein Hobby, das so viel bringe, sagt Guy Ehrlich, „wie Weltmeister im Solitaire zu sein“. Die Begeisterung seiner Familie für die Wunderpflanze ist mittlerweile vergangen. Nur sein jüngster Sohn begleitet ihn noch manchmal ins Gewächshaus und spielt dort Dschungel- kämpfer. Vor Kurzem hat ein amerikanisches Unternehmen für äthe- rische Öle Kontakt mit ihm aufgenommen. Man interessiere sich für den Balsam, schrieb es. Ehrlich hat jetzt weiteres Land angemietet, für richtige Plantagen. Er glaubt noch immer an seine Gileadensis. Julia Amalia Heyer

Balsamgärtner Ehrlich „Exportschlager des Königreichs Juda

KIBBUZ ALMOG

Der ewige Gärtner Global VillageWarum ein nicht religiöser Israeli Pflanzen aus der Thora anbaut